1. Dezember 2012

1. Türchen am Adventkalender

Advent, Advent du stille Zeit....

 
Zur Einstimmung heute, habe ich recherchiert wie es zum eigentlichen Adventkalender kam, der heute beim Einen Schokolade zum Vorschein bringt oder beim Anderen durch selbst verpackte Kleinigkeiten die Auspackfreude versüßt.
 
 
Einer wie der Andere Adventkalender ist anders, individuell und mittlerweile auch nicht mehr wegzudenken J
Was die wenigsten wissen ist, dass der Adventkalender von einem alten Brauch aus dem 19. Jahrhundert herrührt. Damals wurden 24 Kreidestriche an Wand oder Türe gemalt, von denen die Kinder täglich einen wegwischen durften, sozusagen um die Wartezeit zu verkürzen. Es folgten viele Weiterentwicklungen in gedruckter Form mit 24 Bildern oder 24 Bibelversen bis der Adventkalender kurz vor dem 2. Weltkrieg ein jähes Ende fand, weil in dieser Zeit Papierknappheit herrschte und es schlicht verboten war Bildkalender herzustellen.

Doch zu unserer aller Freude konnten an die Anfänge vor dem 2. Weltkrieg nach dessen  Ende wieder angeknüpft werden, sodass die Adventkalenderproduktion wieder einen Aufschwung erlebte und uns seit jeher erhalten geblieben ist.
 


Die stillste Zeit im Jahr (Karl Heinrich Waggerl)
Für mich begann in der Bubenzeit der Advent damit, dass mich die Mutter eines Morgens weit früher als sonst aus dem Bett holte. Der Mesner läutete immer schon die Viertelglocke, wenn ich endlich halb im Traum zur Kirche stolperte.
Nirgends ein Licht in der bitterkalten Finsternis und oft musste ich mich mit Händen und Füßen durch den tiefen Schnee wühlen, es war ja noch keie Mensch vor mir unterwegs gewesen. In der Sakristei kniete der Mesner vor dem Ofen und blies in die Glut, damit wenigstens das Weihwasser im Kessel auftaute.
Aber mir blieb ja keine Zeit, die Finger zu wärmen, der Pfarrer wartete schon, dass ich in meine Albe schlöffe und ihm mit der Schelle voranging.
Bitterkalt war es auch in der Kirche. Die Kerzenflammen am Altar standen reglos wie gefroren und wenn sich die Türe öffnete und Wind und Schnee hereinfuhren, zuckten die Lichter erschreckt zusammen. Die Kirchleute drückten das Tor eilig wieder zu, sie rumpelten schwerfällig in die Bänke und dann klebten sie ihre Adventkerzen vor sich auf das Pult und falteten die Hände um das wärmende Licht.
Indessen schleppte ich das Messbuch hin und her und läutete zur passenden Zeit.
Wenn ich einmal länger zu knien hatte, schlief ich wohl auch wieder ein.
Dann räusperte sich der Pfarrer vernehmlich um mich aufzuwecken. Ihn alleine focht kein Ungemach an. „Rorate coeli“, betete er laut und inbrünstig, „Tauet Himmel den Gerechten.“ Und dann war doch wieder alles herzbewegend schön und feierlich, der dämmrige Glanz im Kirchenschiff, der weiße Atemdampf vor den Mündern der Leute, wenn sie dem Pfarrer antworteten und er selber unbeirrbar in der Würde des guten Hirten aus der Bibel sprach. Nachher standen wir zu dritt hinter dem Ofen in der Sakristei. Der Mesner schüttelte die eiserne Pfanne und hob den Deckel und speiste uns alle mit gebratenen Kastanien. Ich hüpfe von einem Fuß auf den anderen und auch der Pfarrer rollte die heißen Kugeln eine Weile im Mund hin und her.
Es war vielleicht keine Sünde, wenn ich nebenbei flink vorausrechnete wie lange es wohl noch dauerte, bis der Weihnachtstag vor der Tür stehen würde.

 

Einen besinnlichen 1. Dezember wünsche ich Euch
und viel Freude beim Türchen öffnen!

 
Herzlich Eure
Farbenzauberin

Kommentare:

  1. Meine liebe Farbenzauberin,
    was für ein wunderschöner Post zum 1.Advent!
    Vielen Dank für die schöne Gechichte und Deine lieben Worte!
    Ich wünsch Dir ein wunderschönes und gemütliches 1.Adventswochenende!
    ♥ Allerliebste Grüße Claudia ♥

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  2. Deine Recherche rund um den Adventskalender ist wirklich interessant, wieder etwas dazu gelernt:-) und die Geschichte vom Herrn Waggerl ist total schön. Wäre es in unserer Kirche etwas wärmer, dann würde ich auch öfters zur "Rorate" gehen ;-)
    Herzlichst AnnA

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  3. Danke liebe Farbenzauberin das Du die Geschichte des Adventkalender beschreibst.

    Wünsche Dir ein schönes 1. Adventwochenende und grüße Dich ♥ lich
    Angelika

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  4. Vielen lieben Dank für deine schöne Geschichte.
    Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und einen guten 1. Advent.
    Liebe Grüße von Sylvia und Tibi

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  5. I really enjoyed reading your text, for me it was enlightening. Besides knowing you, my new virtual friend, a little. My maternal family is German and lives there.
    I always got the calendar. My sister and I waited anxiously for it. It was magical open each day a window and get the chocolate. Today I gift it to my daughter every year.

    Cheers from Rio de Janeiro,
    Sissym
    Blogzoom
    A Verdade é Cruel

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