19. Dezember 2012

19. Türchen am Adventkalender


Das Christkind am Christkindlmarkt

Was wäre ein Christkindl-Markt ohne das Christkind? So dachte sich das Christkind und machte sich flugs auf nach Bremgarten. Denn es hatte gehört, dass es dieses Jahr auch eine Markt-Kirche geben würde an dem beliebten "Christchindli-Märt" zu Bremgarten ....
Durchs Schneegestöber war es bis zur alten, schönen Holzbrücke gelangt. Die Altstadt mir ihrer Prachtsfassade war ganz eingepackt in eine dünne Hülle aus Watte - ein prächtiger Anblick!

Und ständig fiel mehr Schnee und senkte über alles eine wohltuende Stille. Genau so wünsche ich mir meinen Markt, murmelte das Christkind leise vor sich hin.

Allerdings - als es die Hauptstrasse herauf in die Stadt kam, da war es vorbei mit der Stille. Das war ein Lärm von Musik und Stimmen und Geräuschen aller Art, da wurden tausend brauchbare und unbrauchbare Dinge angeboten, mit viel Liebe und Phantasie angefertigt. Und wie das roch - das Christkind zog ganz ungeistlich diese Düfte in seine Nase ein - nach Pizza und Chnoblibrot und, und und ...

Und das soll jetzt ein Markt zu meiner Ehre sein, dachte das Christkind und fing an, sich zu empören. Sollte die Geburt in Bethlehem der Grund sein zu all dem Marktgeschrei, zu den vielen unruhigen Lichtern und den wogenden Massen von Menschen. Wie sollte es das zusammenbringen?
So machte es sich auf zur Markt-Kirche, von der es soviel Interessantes gehört hatte, von einer wundersam geschmückten Kirche, von Konzerten und Aufführungen und Christchindli-Tee ...


Es war ganz still in der Kirche, als es eintrat. Hunderte von Weihnachts-Laternen leuchteten an den Wänden und über allem wölbte sich ein Himmel voll von Sternen. So liesse ich mir eine Kirche gefallen, dachte das Christkind. Warum denn immer so streng und so steif und so feierlich - das war ja wohl nicht so gemeint, damals in Bethlehem ...
Still sass es da und liess den Glanz des Lichtes tief in sein Herz dringen - und freute sich daran. Es trank vom feinen Tee. Dann ging es hinaus und liess sich vom Trubel in der Stadt mitnehmen. Wenn es schon da war, wollte es sich auch wohl fühlen.


Doch dann ärgerte es sich schon bald über einen Marktausrufer, der unaufhörlich und mit spitzer Stimme seine Ware anpries. Warum machen sie das eigentlich, fragte es - etwas ungehalten - den Marktfahrer. Sie sind gut, gab der zurück. Sie haben wohl noch nie etwas gehört vom Kampf ums Dasein, von Lebenskosten und Konkurrenz. Schliesslich habe ich eine Familie, die ich ernähren muss! Wie kann man nur so dumm fragen: Warum machen sie das? Sie sind wohl das Christkind selber, sie ahnungsloses Wesen! Und zornig wandte er sich dem nächsten Kunden zu.
Das Christkind stand betroffen und ein wenig verletzt da, schliesslich hatte es nur eine gutgemeinte Frage gestellt. Aber dann ging es ihm durch den Kopf: Recht hat er! Wie kann ich denn schon seinen Kampf ums Leben nur wegen meiner feierlichen Stimmung so gering achten? Ich sollte mich schämen ...
Doch dann sah es in die Augen eines kleinen Kindes, das sein Bärlein an sich gedrückt hielt wie einen grossen Schatz. Seine Augen leuchteten, heller als die Weihnachstbeleuchtung über der Strasse. Dem Christkind wurde es wieder wohl ums Herz und es dachte: Schon die Freude dieses einen Kindes macht den ganzen Rummel gut!


Mit der Schar der Marktbesucher liess es sich an den Ständen vorbei stossen und bewunderte die tausend schönen Dinge, von denen es keines brauchte. Es erschrak über eine gehässige Diskussion zwischen einem Mann und einer Frau über den Kauf eines neuen Hutes für die Frau. So lieblos können also Menschen, Ehepartner, miteinander sein - trotz Weihnachten, dachte es. Was soll denn da die Botschaft vom Frieden auf Erden, wenn das Wohlgefallen fehlt. Ist Weihnachten dann nur noch eine schöne Lüge?
Plötzlich hatte es das Gefühl, mehr Platz und mehr Luft zu brauchen und es ging den Weg hinunter zur Reuss und machte einen kleinen Spaziergang flussaufwärts. Auch der Wald sah aus wie in Zuckerwatte gehüllt - eine schöne, stille Welt. So wäre die Adventszeit für mich doch am schönsten, so still und einsam, dachte das Christkind.


Doch dann sah es einen Mann auf einer Bank an der Reuss sitzen, dem es nicht gut ging - das merkte man auf den ersten Blick. Es setzte sich auf die Bank hin, zuerst etwas entfernt, bald einmal näher. Dann sprach es den Mann an: Fehlt ihnen etwas, fragte es. Das geht sie nichts an, lassen sie mich in Ruhe, lautete die gereizte Antwort.
Doch bald fing der Mann von sich aus zu reden an und erzählte seine traurige Geschichte. Vor wenigen Tagen hatte er an seiner Arbeitsstelle den "blauen Brief" erhalten - es war ihm gekündigt worden. Und dabei hatte er seine Arbeit über alles geliebt. Und nun war er einfach wegrationalisiert worden - und das kurz vor Weihnachten. Und da war doch seine Familie ...


Dem Christkind ging ein Stich durchs Herz. So gehen also Menschen miteinander um, ohne Rücksicht auf Verluste. Wie hart müssen sie doch sein, einander die Existenz zu zerstören - nur um bessere Ergebnisse im Betrieb zu erzielen. Und die Menschen sind ja vom gleichen Geld abhängig. Wo bleibt denn da die Liebe zum Nächsten, verkündigt an Weihnachten?
Das Christkind fühlte sich hilflos und blieb lange schweigend neben dem Manne sitzen, der wie zerstört wirkte. Dann fragte es ihn: Gehen wir miteinander einen Glühwein trinken? Vielleicht tut das ihnen gut? Und so gingen sie miteinander zurück auf den Markt, bestellten einen Glühwein und stiessen an auf eine bessere Zukunft.

Und während im Zeughaus und in der Kirche schöne Musik und schöne Lieder erklangen, hörte das Christkind den stillen und den lauten Klagen des gedemütigten Mannes zu, wohl bis tief in die Nacht ...
Heute aber ist es sicher hier unter uns! Es sehnt sich mit uns nach mehr Liebe und Verständnis unter uns Menschen. Es singt in uns von der Sehnsucht nach Frieden und Befreiung von Hass und Gewalt in allen ihren Formen. Es freut sich mit uns am schönen Sternenhimmel in der Kirche und an den Hunderten von Lichtern. Es lebt in uns allen und geht mit uns - Weihnachten entgegen!

Was es uns wohl noch zu sagen hätte, bevor es wieder seinen Weg geht? Es würde uns sicher sagen: Am schönsten ist der "Christchindli-Märt" dann, wenn er uns Menschenherzen auftut - sei es mit oder ohne Glühwein!

(Eine Erzählung von Pfarrer Christian Bühler, Berikon anlässlich des Gottesdienstes in der Märt-Chile 1998)

 
 
 
Das österreichische Christkindl Postamt
 
Das malerische Postamt Christkindl ist ein Weihnachtspostamt in Steyer (Oberösterreich).
Dort werden alljährlich in der Adventzeit unzählige Briefe aufgegeben und mit einen Sonderstempel, Sonderbriefmarken und Grüßen versehen und versendet.
 
Erstmals wurde durch die Österreichische Post 1950 im Pfarrhof ein Sonderpostamt eingerichtet, schon damals wurden 42.000 abgestempelte Sendungen gezählt.
Seit 1965 gibt es Weihnachtsstempel und Dreikönigsstempel.
 
 
Zahlreiche Weihnachts-Sondermarken schmücken die mehr als 100.000 Briefe die jährlich über das Postamt Christkindl verschickt werden und Weihnachtsgrüße in die ganze Welt überbringen.

Die meisten Briefe und Weihnachtsgrußkarten werden bestimmt schon verschickt sein oder in den nächsten Tagen noch darauf warten - jedenfalls hatten die lieben Helferlein im Postamt Christikindl in den letzten Wochen wieder sehr viel Arbeit :-)

 
Habt Ihr Eure Weihnachtskaten und -briefe schon abgeschickt?? :-)
 
 
 
Herzliche Eure
 
Farbenzauberin
 

Kommentare:

  1. Eine wunderbare Geschichte liebe Farbenzauberin, sie geht zu Herzen. Im Weihnachtspostamt haben die Helferlein bestimmt viel zu tun und viele Wunschzettel zu lesen.

    Meine Weihnachtspost habe ich gestern abgeschickt, nicht auf dem letzten Drücker.

    Liebe Nachmittagsgrüße
    Angelika

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  2. Oh, das Postamt ist ja schööööööön :O) Die Gechichte übrigens auch wieder :O)
    Ja, meine letzte Post ist nun auch unterwegs ...
    Ich wünsch Dir einen schönen und glücklichen Tag!
    ♥ Allerliebste Grüße Claudia ♥

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  3. eine sehr berührende geschichte meine süße... ich hab weder karte noch briefchen abgeschickt, dann hoffen wir mal das christkindl auf mi nit vergisst...;-)
    herzlichst AnnA

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  4. Schön, wie Du mit fein ausgesuchten Geschichten und Bildern unsere Welt ein wenig bunter machst! Das Postamt ist so romantisch schön verschneit, dass ich gerne dort mit Dir einen Glühwein trinken würde. Leider habe ich weder Briefe noch Karten verschicken können. Aber ich werde Weihnachten an diejenigen denken, die schon längst nicht mehr hier sind.

    Ich wünsche Dir zauberhafte Weihnachtstage und danke für Deinen Kommentar bei mir! ♥lichst, Gisela

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