4. Dezember 2012

4. Türchen am Adventkalender /Barbaratag


In Österreich, Deutschland und vielen weiteren Länder Europas wird jedes Jahr am 4. Dezember der Barbaratag gefeiert.


Es ist der Gedenktag der heiligen Barbara von Nikomedien, die schöne Tochter des reichen Kaufmanns, der sie einem Manne zur Frau versprochen hatte. Barbara aber dachte nicht an eine Heirat, sondern wollte ihr Leben, dass sie schon lange dem Christentum gewidmet hatte in Demut und Armut führen, gegen den Willen ihres Vater.
Als dieser sich eines Tages auf Geschäftsreise begab, lies er Barbara zur Sicherheit in einen Turm einschließen, sie aber wandelte die Not in Tugend und ließ ein dreifaltiges Fenster in den Turm brechen, hängte ein Kreuz für ihren Glauben auf und lebte wie eine Nonne.

Als ihr Vater zurückkam, war sie gläubiger als je zuvor. Der erboste Kaufmann schwor sie höchstpersönlich den Folterknecht zu übergeben, was sie aber nicht ängstigte. Sie wurde von ihrem Vater also vor den Richter gezerrt, doch selbst unter der schwersten Folter starb sie nicht, sodass der eigene Vater ihr den Kopf abschlagen musste. Im gleichen Augenblick fuhr ein Blitzstrahl vom Himmel und erschlug den Vater.
Barbara wurde zur Heiligen ernannt und gilt seither als Symbol der Wehr- und Standhaftigkeit.
Auf Bildern und Statuen hält sie stets einen Turm in der Hand, als Symbol ihrer Gefangenschaft im Turm. Die Heiligen Barbara gilt als Schutzpatronin der Bergleute, der Geologen, der Architekten, der Mädchen und der Gefangenen.

In vielen Bergbauregionen, wie etwa bei uns im Österreichischen Salzkammergut (Salzabbau) werden am 4.Dezember noch heute traditionelle Barbarafeiern unter Tage abgehalten.

Die Legende des Barbarazweiges sagt, dass sich auf Barbaras Weg in die Gefangenschaft ein Kirschbaumzweig in ihrem Kleid verfangen habe. Diesen habe sie mit Wasser aus ihrem Trinkbecher zum Blühen gebracht. Daraus hat sich der Brauch vom Barbarazweig entwickelt.

Als Barbarazweige können je nach Region traditionell Zweige vom Kirsch-, Apfel, Pflaumen- oder Mandelbaum, von der Forsythie, dem Winterjasmin oder der Rosskastanie verwendet und in ein Wasserglas gestellt werden.


 
 
Barbaratag (Ingeborg Drewitz)

Am Barbaratag Kirschzweige schneiden, damit sie am 24. Dezember blühen - in meiner Kindheit habe ich davon nur wenig gewusst. Noch immer habe ich nicht die Ursache der völligen Abwendung von traditionellen Bräuchen meiner Familie ergründe können. Ich kann nur vermuten, dass durch die Armut die sie gekannt hatten, durch ihre flüchtige Berührung mit dem Sozialismus, durch die Viertelbildung die sie sich neben der Arbeit angeschlossen hatten, jene Scheu in sich hatten aufkommen lassen, die sie jeder Gefülsäußerung gegenüber hatten.
Vielleicht war es auch die Scheu vor irgendwas ländlicher Herkunft.
So habe ich erst als Erwachsene von dem schönen Brauch gehört und ihn mit meinen Kindern zusammen wiederaufgenommen.
Ich sehe uns bei Schneegestöber nach Kirschbäumen in den Laubengärten suchen, überhängende Zweige ausmachen um sie bei einbrechender Dunkelheit gleich zu finden, noch ehe der Haupteingang der Laubenkolonie abgeschlossen würde. Ich seh mich mit den Zweigen unter dem Mantel  heimkommen, die Kinder in die Küche holen und ihnen die Anschnitte zeigen.
Ich seh uns die Zweige ordnen und die Knospen zählen. Und wie wir das zögernde Anschwellen der Knospen beobachten von Tag zu Tag. Ein bisschen schlechtes Gewissen war schon dabei, aber ich hatte nachgelesen, dass das Obst geschnitten werden musste. Über die heilige Barbara hatte ich nichts nachgelesen.
Es genügte uns das Wunder des Erblühens, Jahr für Jahr. Mal schnitt ich die Zweige bei schneidender Kälte, mal bei Regen und im April prüften wir auf unseren Spaziergängen, ob die Kirschbäume uns nichts nachtrugen. Und im Juli gingen wir in die Laubenkolonie, um Kirschen zu kaufen.
"Wenn Sie wollen, können Sie im Dezember rings um den Baum schneiden. Was überhängt ist überflüssig." Ich sah den Mann an, der seine Kirschen in Spankörbe ausgestellt hatte und dachte mir nun doch, dass er mich beobachtet hatte. " Na werden Sie nicht rot junge Frau. Klar kenn ich Sie. Kommen Sie ruhig die Tage wieder wenn wieder Dezember ist."
Gegen so viel Freundlichkeit brauchte ich keine Ausrede und die wäre mir auch gar nicht eingefallen. Der Mann hängte den Kindern Kirschen über die Ohren und im Dezember sind wir alle wieder hingegangen.
Die Laube war überheizt, in die er uns einlud. Er hatte Holzgeschnitztes für die Kinder bereit gelegt. "Ich bin Witwer", sagte er "und meine  Jungs, naja, die waren so etwa ihr Jahrgang, darum bin ich alleine." Er zeigte uns den Komposthaufen und erzählte, dass da ein Igel darin überwinterte, dass machte die Kinder neugierig. Aber den Igel stören, dass ging nicht, der kommt erst im warmen Frühjahr an einem richtig warmen Sonnentag heraus und schlabbert Milch aus der Schüssel. Wir haben den Mann immer wieder besucht den Sommer über, am 4. Dezember und im Frühjahr, bis die Laubenkolonie aufgelassen wurde und die Bagger sich ins Gelände fraßen.
Wir haben dem Mann noch geholfen, den eisernen Ofen auf den Handwagen zu heben, haben danach aber nie mehr von ihm gehört, obwohl er eine Postkarte versprochen hatte "aus dem Westen, wenn ich da erst wieder einen Kirschbaum habe".

 
Viel Freude wünsch ich Euch heute bei der Suche nach Euren Barbarazweigen :-)
 
 
Herzliche Grüße
 
Eure Farbenzauberin

Kommentare:

  1. Die Geschichte der Barbara kannte ich noch nicht liebe Farbenzauberin, hast Du schön geschrieben.
    Doch den Brauch, heute Zweige zu schneiden, die am Heiligen Abend blühen, den kannte ich schon.

    Liebe Dienstagsgrüße
    Angelika

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Farbenzauberin,

    ich danke Dir ganz herzlich, für diese schöne und traurige und hoffnungsvolle Erklärung zum "Barbaratag" den bisher nicht kannte...ich hatte noch nie davon gehört und habe eine Gänsehaut bekommen, beim lesen deines Posts.
    Danke dafür ♥
    Anni

    AntwortenLöschen
  3. Great story you have written.
    Greetings Irma

    AntwortenLöschen
  4. Liebe Farbenzauberin, danke für diese ausführlichen Zeilen zum Barbaratag!
    Ich wünsch Dir einen gemütlichen Abend!
    ♥ Allerliebste Grüße Claudia ♥

    AntwortenLöschen
  5. Hallo meine süße.... wir waren gestern auch noch bei dichtem Schneegestöber im Garten und haben uns "Barbarazweige" ins Haus geholt! :-)
    Danke für deine schöne Geschichte!!!
    Herzlichts AnnA

    AntwortenLöschen

LinkWithin

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...