7. Dezember 2012

7. Türchen am Adventkalender

Wenn zu Anfang im Advent,
still die erste Kerze brennt,
heißt es Vorfreude, Besinnen,
die schöne Zeit kann nun beginnen.
 
Plätzchen backen, köstlich schmausen,
machmal tanzen Flocken draußen
und ringsum die Kinderschar,
freut sich auf das Christkind gar.
 
Inne halten, Punsch genießen,
um den Sinn der Weihnacht wissen,
sich vorbereiten, voller Freud',
Advent ist's , oh du schöne Zeit.
 
(Oskar Stock)





Das Hirtenlied (Max Bollinger)

Es war einmal ein alter Hirte, der die Nacht liebte und um den Lauf der Gestirne wusste. Auf seinen Stock gestützt, den Blick zu den Sternen erhoben, stand der Hirte auf dem Felde. "ER wird kommen"!" sagte er. "Wann wird ER kommen?", fragte der Enkel. "Bald!" Die anderen Hirten lachten. "Bald!", höhnten sie. "Das sagst du nun seit Jahren!". Der Alte kümmerte sich nicht um ihren Spott.
Nur der Zweifel, der in den Augen des Enkels aufflackerte, betrübte ihn. Wer sollte, wenn er starb, die Weissagungen der Popheten weitertragen? Wenn ER doch bald käme! Sein Herz war voller Erwartung.
"Wird ER eine goldenen Krone tragen?", unterbrach der Enkel seine Gedanken. "Ja!" " Und ein silbernes Schwert?" "Ja!" "Und einen purpurnen Mantel?" "Ja! Ja!" Der Enkel war zufrieden. Der Junge saß auf einem Stein und spielte auf seiner Flöte. Der Alte lauschte. Der Junge spielte von Mal zu Mal schöner. Er übte am Morgen und am Abend, Tag für Tag. Er wollte bereit sein, wenn der König kam. Keiner spielte so wie er. "Würdest du auch für einen König ohne Krone, ohne Schwert und purpurnen Mantel spielen?", fragte der Alte. "Nein!", sagte der Enkel. Wie sollte ein König ohne Krone, ohne Schwert und ohne purpurnen Mantel ihn für sein Lied beschenken? Mit Gold und mit Silber! Er würde ihn reich machen und die anderen würden staunen, ihn beneiden. Der alte Hirte war traurig. Ach, warum versprach er dem Enkel, was er selbst nicht glaubte! Wie würde ER denn kommen? Auf Wolken aus dem Himmel? Aus der Ewigkeit? Als Kind? Arm oder reich? Bestimmt ohne Krone, ohne Schwert und ohne purpurnen Mantel - und doch mächtiger als alle anderen Könige. Wie sollte er das dem Enkel begreiflich machen?
Eines Nachts standen die Zeichen am Himmel, nach denen der Großvater Ausschau gehalten hatte. Die Sterne leuchteten heller als sonst. Über der Stadt Bethlehem stand ein großer Stern. Und dann erschienen die Engel und sagten. "Fürchtet euch nicht! Euch ist der Heiland geboren!" Der Junge lief voraus, dem Licht entgegegn. Unter dem Fell auf seiner Brust spürte er die Flöte. Er lief so schnell er konnte. Da stand er als Erster und starrte auf das Kind. Es lag in Windeln gewickelt in einer Krippe, Ein Mann und eine Frau betrachteten es froh. Die anderen Hirten, die ihn eingeholt hatten, fielen vor dem Kind auf die Knie. Der Großvater betete es an. War das nun der König, den er ihm versprochen hatte?
Nein, das musste ein Irrtum sein. Nie würder er hier sein Lied spielen. Er drehte sich um, enttäuscht, von Trotz erfüllt. Er trat in die Nacht hinaus. Er sah weder den offenen Himmel noch die Engel, die über dem Stall schwebten. Aber dann hörte er das Kind weinen. Er wollte es nicht hören. Er hielt sich die Ohren zu und lief weiter. Doch das Weinen verfolgte ihn, ging ihm zu Herzen und zog ihn zurück zur Krippe. Da stand er zum zweiten Mal. Er sah, wie Maria und Josef und auch die Hirten erschrocken das weinende Kind zu trösten versuchten. Vergeblich!
Was fehlte nur? Da konnte er nicht anders. Er zog die Flöte aus dem Fell und spielte sein Lied. Das Kind wurde still. Der letzte leise Schluchzer in seiner Kehle verstummte. Es schaute den Jungen an und lächelte. Da wurde er froh und spürte, wie das Lächeln reicher machte als Gold und Silber.

 
 
Herzlich Eure
 
Farbenzauberin


Kommentare:

  1. Nice edits and a wonderful story.
    The child was silent when the flute was played.
    Have a nice day, Irma

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  2. Dein Post ist so wunderschön.
    Danke dafür, hab ihn gleich auf Facebook geteilt.
    Liebe Grüsse von Sylvia und Tibi
    Habt einen schönen 2. Advent

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  3. Was für eine herliche Geschichte liebe Farbenzauberin, und ein wunderbares Gedicht.

    Liebe Grüße im Advent
    Angelika

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  4. Liebe Farbenzauberin,
    hab vielen Dank für das wieder so schöne Gedicht und die informative Geschichte! Und hab auch vielen Dnak für Deine immer so lieben zeilen, die Du mir hinterläßt :O)))
    Ich wünsche Dir ein wunderschönes und gemütliches 2.Advents-Wochenende !
    ♥ Allerliebste Grüße Claudia ♥

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  5. Das ist alles sehr schön: das Gedicht, die stimmungsvollen Bilder und die Geschichte. Vielen Dank dafür!

    Ich wünsche Dir einen schönen 2. Advent und grüße Dich herzlich, Gisela.

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  6. Eine wunderschöne Geschichte hast du in deinem 7. Türchen versteckt und auch das Gedicht ist so passend zu dem zauberhaften Weihnachtsbild. :-)

    Liebe Grüße und hab ein schönes 2. Adventswochenende
    Christa

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