8. Dezember 2012

8. Türchen / Maria Empfängnis

Der katholische Feiertag Mariä Empfängnis wird oft mit der Empfängnis Jesu verwechselt. Am 8. Dezember wurde aber Maria, die Mutter Jesu, empfangen. Anna und Joachim konnten lange Zeit keine Kinder bekommen, Joachim ging für 40 Tage in die Wüste um zu fasten und zu beten, während Anna im Gebet in Jerusalem blieb.
Der Engel Gottes erschien Joachim und teilte ihm mit, dass er und Anna ein Kind erwarten werden. Freudig lief er nach Jerusalem und traf Anna vor dem Tempel, an der "Goldenen Pforte". Beide umarmen sich und dieser Moment wird als "Mariä Empfängnis" bezeichnet, Maria ist also "unbefleckt empfangen" worden und ist frei von jeglichem Makel der Erbsünde.

 

 

Der Striezelmarkt (Wilhelm von Kügelgen)


So arbeiteten und spielten wir uns in den Spätherbst und Winter hinein, bis die Weihnachtszeit mit ihrem wunderbaren Treiben nahte und auch unseren Beschäftigungen den Stempel des Geheimnisses aufdruckte. Das gemeinschaftliche Spielen hatte nun ein Ende, jeder kramte und kleisterte nur für sich und keiner durfte hinsehen, was der andere machte. Zu letzterem verpflichtete man sich durch Eide, die sehr leicht zu halten waren, da jeder, genugsam von seinem eigenen Werk erfüllt, wenig Neigung hatte, von dem des anderen Notiz zu nehmen oder etwas davon zu erwarten.
Auch mag sich der alte Satz, dass Geben seliger als nehmen sei, am meisten in den gegenseitigen Geschenken bewahrheiten, die sich Kinder machen. Wo nun die eigene Kunstfertigkeit nicht ausreichte oder es an Material fehlte, kauften wir das fehlende auf dem Weihnachtsmarkt, der in Dresden nach einem eigentümlichen Backwerke der Striezelmarkt genannt wird. Acht Tage vor dem Feste pflegte sich der Desdner Altmarkt mit einem ganzen Gewimmel höchst interessanter Buden zu bedecken, die abends erleuchtet waren und große Augenlust gewährten.
 
 
Das Glitzern der mit Rauschgold, mit bunten Papierschnitzeln und goldenen Früchten dekorierten Weihnachtsbäume, die hellerleuchteten kleinen Krippen mit dem Christuskinde, die gespenstischen Knechte Ruprechts, die Schornsteinfeger von gebackenen Pflaumen, die eigentümlich weihnachtlichen Wachsstockpyramiden in allen Größen, endlich das Gewühl der Käufer und höfliche Locken der Verkäufer, das alles regte festlich auf. Hier drängten auch wir uns des Abends gar zu gern umher, schwelgend in dem ahnungsreichen Dufte der Tannen, der Wachsstöcke, Pfefferkuchen und Striezeln, die in einer dem Wickelkindern entlehnten Gestalt, reichlich mit Zucker bestreut, vor allen zahlreichen Bäckerbuden auslagen und Löwenappetit erregten.
Nach genauester Prüfung alles Vorhandenen kauften wir dann einige kleine grüne oder rote Wachsstockpyramiden, auf Kartenblätter gewickelt, das Stück zu einem Pfennig, sogenannte Pfefferkuchenzungen zu demselben Preis oder ein paar Bogen bunten Papiers, um unsere Privatbescherung damit auszustatten. –Inzwischen konnten wir in unserem Eifer den vom Kalender angegebenen Zeitpunkt nie ganz erwarten und fingen schon an vorhergehenden Abenden an, in Alkoven oder anderen verdachtlosen Winkeln unseren Kram aufzustellen, zündeten einige Wachsstockschnittchen dabei an und überraschten uns dann gegenseitig unaufhörlich, bis der wahre Heilige Abend herankam und uns alle überraschte. In dem geräumigen Wohnzimmer meiner Mutter stand ein schönes Bild, das, auf einigen Stufen erhöht, den mittleren Teil der Hauptwand fast bis zur Decke füllte. Es war dies eine Kopie des berühmten Dresdner Raffael, die mein Vater unlängst vollendet und der Mutter geschenkt hatten.



Große Summen waren schon vor der Vollendung dafür geboten worden, allein mein Vater wollte sich nicht davon trennen; es sollte das Palladium seines Hauses werden, und unter dem himmelreinen Auge dieser Mutter Gottes sollten seine Kinder heranwachsen. Auch knüpften sich sehr selige Kindererinnerungen an dieses Bild, unter dem wir saßen, und das ich anzublicken pflegte, wenn die Mutter am Sonntagmorgen aus der Heiligen Schrift vorlas und uns aufmerksam die Worte unseres Erlösers lehrte. Seinen vollen Zauber entfaltete es indessen erst am Weihnachtsabend, wenn die vielen Kerzen brannten und das magisch beleuchtete, wie von innerem Licht durchglühte Bild zu leben schien. Dieses herrlichen Anblicks erfreuten wir uns zuerst im Jahr 1809, da Volkmanns und Senff den ersten Weihnachten mit uns feierten.
Die ganze kleine Gesellschaft schien die Augen nicht wieder abwenden zu wollen, und fast hätte es notgetan, uns Kinder zu erinnern, dass es heute noch andere Interessen für uns gäbe. Unterdessen wir uns nun unseren Tischen nahten und die Herrlichkeiten in Augenschein nahmen, mit denen man uns beschenkt hatte, wurde Senff vermisst. Man hörte aber, dass er gebeten haben, ihm nicht zu folgen, und siehe da! – als die Kerzen des Lichterbaumes im Ersterben waren – da flogen plötzlich die Flügeltüren auseinander und ein Lichtmeer strahlte uns entgegen. Senff hatte den Fußboden des großen Vorsaales dicht besetzt mit Hunderten von kleinen Lampen, die er aus Nussschalen bildete und zu einem riesigen Halbmond vereinigt hatte.
In die Höhlung dieses Türkensterns, der wie Pontius ins Kreso in unseren Weihnachtsabend passte, hatte er die kunstvoll gefertigten Geschenke aufgestellt, die er für uns Kinder gearbeitet hatte: für mich einen Prachtschild mit silbernem Adler, für Alfred einen nicht minder schönen Löwenschild. Der Effekt des Ganzen war sehr überraschend, doch noch nicht genügend für Senffs Erfindungsgabe. Als man sich satt gesehen, schlug der ideenreiche Künstler der Gesellschaft vor, ihm nach dem Hinterhause zu folgen. Dort befand sich ein zweiter Vorsaal der zu den Gemächern meines Vaters führte und hier hatte Senff aus der Diele aus kleinen von Papier gemachten Häusern, Palästen und Moscheen die Stadt Konstantinopel aufgebaut.
Man konnte nichts Saubereres sehen als diese Papierstadt. Dichtgestreuter weißer Sand bezeichnete das Land, blauer das Meer, das von kleinen Schiffen beklebt war. Nachdem nun Senff eine skizzenhafte Erklärung der hervorragendsten Punkte gegeben hatte, bemerkte er, dass Konstantinopel häufig abzubrennen pflege und damit legte er einen Zünder unter das erste Haus der Vorstadt Pera. Bald brach die Flamme aus, ergriff das nächste Gebäude und die ganze Straße, verzweigte sich nach anderen Straßen, sprang in die Brunnen, die mit Spiritus gefüllt waren und verbreitete sich über die ganze Stadt. Zuletzt wurde das Serail ergriffen, dessen zahlreiche Türmchen als Miniaturfeuerwerk aufsprühten, die die Vorstellung mit Knalleffekt beschlossen.
 

 
 

Einen schönen Feiertag/Samstag wünsch ich Euch!

Bei uns schneit es heute wieder *freu*

und ich mach mich jetzt auf in die Weihnachtsbackstube (Küche) zum Kekse backen *g*

 
 
Herzlich Eure
 
Farbenzauberin
 

Kommentare:

  1. Oh was für ein schönes Posting liebe Farbenzauberin, das hast du wunderbar erzählt. Der Striezelmarkt scheint ja besonders schön zu sein, tolle Fotos hast Du gemacht.

    Viel Spass beim Plätzchen backen und ♥ liche Grüße
    Angelika

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  2. Ich wünsche Dir auch ein schönes und gemütliches 2.Advents-Wochenende!
    ♥ Allerliebste Grüße Claudia ♥

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