12. Dezember 2012

12. Türchen am Adventkalender


Geschenke sollen Freude machen (Ephraim Kishon)

Damit Klarheit herrscht: Geld spielt bei uns keine Rolle, solange wir noch Kredit haben. Die Frage ist, was wir einander zu den vielen Festtagen des Jahres schenken sollen. Wir beginnen immer schon Monate vorher an Schlaflosigkeit zu leiden. Der Plunderkasten "Zur weiteren Verwendung" kommt ja für uns selbst nicht in Betracht. Es ist ein fürchterliches Probelm. Vor drei Jahren, zum Beispiel, schenkte mir meine Frau eine komplette Fechtausrüstung und bekam von mir eine zauberhafte Stehlampe. Ich fechte nicht.
Vor zwei Jahren schenkte meine Frau mir einer Schreibtischgarnitur aus karrarischem Marmor - samt Briefbeschwerer, Brieföffner, Briefhalter und Briefmappe - während ich sie mit einer zauberhaften Stehlampe überraschte. Ich schreibe keine Briefe.
Voriges Jahre erreichte die Krise ihren Höhepunkt, als ich meine Frau mit einer zauberhaften Stehlampe bedachte und sie mich mit einer persischen Wasserpfeife. Ich rauche nicht.
Dieses Jahr trieb uns die suche nach passenden Geschenken beinahe in den Wahnsinn. Was solten wir einander noch kaufen?
Gute Freunde informierten mich, dass sie meine Frau in lebhaftem Gespräch mit einem Grundstücksmakler gesehen hätten. Wir haben ein gemeinsames Bankkonto, für das meine Frau auch allein zeichnungsberechtigt ist. Erbleichend nahm ich sie zur Seite.
"Liebling, das muss aufhören. Geschenke sollen Freude machen, aber keine Qual. Deshalb werden wir uns nie mehr den Kopf darüber zerbrechen, was wir einander schenken sollen. ich sehe keinen Zusammenhang zwischen einem Feiertag und einem schottischen Kilt, den ich außerdem niemals tragen würde. Wir müssen vernüftig sein, wie es sich für Menschen unseres Intelligenzniveaus geziemt. Lass uns jetzt ein für allemal schwören, dass wir einander keine Geschenke mehr machen werden.
Meine Frau fiel mir um den Hals und nässte ihn mit Tränen der Dankbarkeit. Auch sie hatte an eine solche Lösung gedacht, hatte nur nicht gewagt sie vorzuschlagen. Jetzt war das Problem für alle Zeiten gelöst. Gott sei Dank.
Am nächsten Tag fiel mir ein, dass ich meiner Frau zum bevorstehenden Fest doch etwas kaufen müsste. Als erstes dachte ich an eine zauberhafte Stehlampe, kam aber wieder davon ab, weil unsere Wohnung durch elf zauberhafte Stehlampen nun schon hinlänglich beleuchtet ist.
Außer zauberhaften Stehlampen wüsste ich aber für meine Frau nichts Passendes, oder höchstens ein Brillendiadem - das einzige was ihr noch fehlt. Einem Zeitungsinserat entnahm ich die derzeit gängigen Preise und lies auch diesen Gedanken wieder fallen.
Zehn Tag vor dem festlichen Datum ertappte ich meine Frau, wie sein ein enormes Paket in unsere Wohnung schleppte. Ich zwang sie, es auf der Stelle zu öffnen. Es enthielt pulverisierte Milch. ich öffnete jede Dose und untersuchte den Inhalt mit Hilfe eines Siebs auf Manschettenknöpfe, Krawattennadeln und ähnlichen Fremkörpern - ich fand nichts. Trotzdem eilte ich am nächsten Morgen von unguten Ahnungen erfüllt zur Bank. Tatsächlich - meine Frau hatte 260 Pfund von unserem Konto abgehoben, auf dem jetzt nur noch 80 Aguroth verblieben, die ich sofort abhob. Heißer Zorn überkam mich. Ganz wie du willst, fluchte ich in mich hinein. Dann kaufe ich dir also den Astrachanpelz, der uns ruinieren wird. Dann beginne ich jetzt, Schulden zu machen, zu trinken und Kokain zu schnupfen. Ganz wie du willst.
Gerade als ich nach Hause kam, schlich meine Frau, abermals mit einem riesigen Paket, sich durch die Hintertüre rein. Ich stürtzte auf sie zu, entwand ihr das Paket und riss es auf - natürliche: Herrenhemden. Eine Schere ergreifen und die Hemden zu Konfetti zerschneiden, war eins.
"Da-da!", sießt ich keuchend hervor. "Ich werde dich lehren, feierliche Schwüre zu brechen!" Meine Frau, die soeben meine Hemden aus der Wäscherei geholt hatte, versuchte einzulenken. "Wir sind erwachsene Menschen mit hohem Intelligenzniveau", behauptete sie. "Wir müssen Vertrauen zueinander haben. Sonst ist es mit unserem Eheleben vorbei."
Ich brachte die Rede auf die abgehobenen 260 Pfund. Met denen hätte sie Schulden beim Frisuer bezahlt, sagte sie. Einigermaßen betreten brach ich das Gespräch ab. Wie schändlich von mir, meine kleine Frau, die beste Ehefrau von allen, so völlig grundlos zu verdächtigen.
Das Leben kehrte wieder in seine normalen Bahnen zurück.
Im Schuhgeschäft sagte man mir, dass man die gewünschten Schlangenlederschuhe für meine Frau ohne Kenntnis der Fußmaße nicht anfertigen könne und ich solle ein Paar alte Schuhe als Muster mitbringen. Als ich mich mit dem Musterpaar unterm Arm aus dem Haustor drückte, sprang meine Frau die dort auf der Lauer lag mich hinterrücks an. Eine erregte Szene folgte.
"Du charakterloses Monstrum!", sagte meine Frau. "Zuerst wirfst du mir vor, dass ich mich nicht an unsere Abmachung halte und dann brichst du sie selber! Wahrscheinlich würdest du mir auch noch Vorwürfe machen, weil ich dir nichts geschenkt habe..."
So konnte es nicht weitergehen. Wir erneuerten unseren Eid. Im hellen Schein der elf zauberhaften Stehlampen schworen wir uns, bestimmt und endgültig keine Geschenke zu kaufen. Zum ersten Mal seit Monaten zog Ruhe in meine Seele ein.
Am nächsten Morgen folgte ich meiner Frau heimlich auf ihrem Weg nach Jaffa und war sehr erleichtert als ich sie ein Spezialgeschät für Damenstrümpfe betreten sah. Fröhlich pfeifend kehrte ich nach Hause zurück. Das Fest stand bevor, und es würde keine Überraschungen geben. Endlich!
Auf dem Heimweg machte ich einen kurzen Besuch bei einem mir befreundeten Antiquitätenhändler und kaufte eine kleine chinesische Vase aus der Ming-Periode. Das Schicksal wollte es anders. Warum müssen die Autobusfahrer auch immer so unvermittelt stoppfen. Ich versuchte die Scherben zusammenzuleimen, aber das klappte nicht recht. Um so besser. Wenigstens kann ich meine Frau keines Vertragsbruches zeihen.
Meine Frau empfing mich im Speisezimmer, festlich gekleidet und mit glückstrahlendem Gesicht. Auf dem großen Speisezimmertisch sah ich, geschmackvoll arrangiert, einen neuen elektrischen Rasierapparat, drei Kugelschreiber, ein Schreibmaschinenfutteral aus Ziegenleder, eine Schachtel Schiwachs, einen Kanarienvogel samt Käfig, eine Brieftasche, eine zauberhafte Stehlampe, einen Radiergummi und ein Koffergrammophon (das sie bei einem alten Strumpfhändler in Jaffa unter der Hand gekauft hatte).
Ich stand wie gelähmt da und brachte kein Wort heraus. Meine Frau starrte mich ungläubig an. Sie konnte es nicht fassen, dass ich mit leeren Händen gekommen war. Dann brach sie in konvolivisches Schluchsen aus:
"Also so einer bist du. So behandelst du mich. Einmal in der Zeit könntest du mir eine kleine Freude machen - aber das fällt dir ja gar nicht ein. Pfui, pfui, pfui, geh mir aus den Augen. Ich will dich nie wieder sehen...."
Erst als sie geendet hatte, griff ich in die Tasche und zog die goldene Armbanduhr mit den Saphiren hervor. Kleiner dummer Liebling.

 
Habt noch einen feinen Mittwoch!
 
 
Herzlich Eure
 
Farbenzauberin



Kommentare:

  1. Diese Geschichte ist wundervoll, Farbzauberin und ich weiß nicht, wie oft ich sie schon gelesen habe. :-)

    Eigentlich dürftest du sie aber gar nicht hier veröffentlichen. Ich glaube, hier verstößt du gegen das Copyright. Der Autor verstarb erst in 2005 und erst wenn ein Autor, Dichter etc. 70 Jahre tot ist, darfst du ihn mit Namensnennung zitieren, vorher nicht.

    Erkundige dich selbst noch mal, damit du keine Probleme bekommst.

    Liebe Grüße
    Christa

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    1. Liebe Christa,
      davon habe ich schon einmal gehört mit den 70 Jahren ect. aber ja nur die wenigsten Autoren von denen man auch Geschichten findet wenn man sie googelt sind schon 70 Jahre verstorben.

      Ich jedenfalls habe die Geschichte auf
      http://www.djk-thanndorf.de/html/body_schenken.html

      entdeckt. Ebenso zu finden ist sie auf:
      http://www.adventguide.at/weihnachtsgeschichten/weihnachtsgeschichte/29

      Ich denke da sie also schon veröffentlicht wurde auf solchen Seiten, kann ja jeder darauf zugreifen.

      Dank dir recht lieb für den Hinweis!

      Liebe Grüße

      Farbenzauberin

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    2. Ich würde mich nicht darauf verlassen, etwas bedenkenlos zu veröffentlichen, nur, weil andere es auch schon getan haben, liebe Farbzauberin. Das wäre mir zu riskant.
      Der Hinweis war von mir, das weißt du bestimmt selbst, nicht böse gemeint, gell?

      Liebe Grüße
      Christa

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    3. Liebe Christa,

      nein versteh ich schon, dass du das nicht böse gemeint hast und danke für deinen Hinweis. Nur dürfte ich dann ja eigentlich gar keine Geschichten hier reinschreiben - wäre ja auch schade oder? :-)Ein paar davon sind ja direkt aus dem Internet kopiert und ein paar von einem Büchlein abgeschrieben. Und was ich aus meinem JUS-Studium weiß, ist es erlaubt sofern man Geschichten/Gedichte nicht als seine Eigenen ausgibt sondern hinschreibt von wem sie stammen.

      Liebe Grüße

      Farbenzauberin

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  2. Ja liebe Farbenzauberin, die Geschichte ist wunderschön und mir bekannt.
    Schön das Du sie nieder geschrieben hast.

    Liebe Abendgrüße
    Angelika

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  3. ...eine ganz wundervolle Geschichte und mit einem durchaus wahren Kern... Kennst du das nicht auch: "...heuer lassen wir das mit dem Schenken..." oder "...heuer echt nur was ganz kleines..." und dann sieht man doch dieses oder jenes, das würde auch gut passen, jenes dort gefällt mir aber gut..... Und letztens Endes liegen erst wieder unzählige Päckchen unterm Baum... Wobei ich zum Glück bisher von Stehlampen verschont blieb :-)
    Aber trotzdem, ich finde, es ist etwas sehr schönes, seinen Lieben eine Freude zu machen, schon das Aussuchen, Verpacken usw. und es kommt auch nicht auf den Wert drauf an, ich sag immer, wesentlich ist, was man sich dabei gedacht hat...

    Wünsch dir einen schönen Tag,
    LG
    Nici

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